social media bottom-up case: man­ches­ter united sup­por­ters trust

eben las ich gemüt­lich in der Sonn­tags­zei­tung der FAZ. Für den letz­ten Tag der Woche, den Espresso und ein lecke­res Früh­stück mit anschlie­ßen­der Ziga­rette eine ganz feine Lek­türe, um die Syn­ap­sen lang­sam in den “Heute-entspannen-wir-uns”-Modus zu brin­gen. Und was lese ich in Regel zuerst?

genau, den ers­ten Teil. Aber dann hält es die Neu­gierde nicht mehr aus und bahnt sich ihren Weg direkt in den Sport­teil. Dort ange­kom­men, will ich lesen, wie abwechs­lungs­reich und span­nend das Spiel von Wer­der am Vor­tag war. Tja, meine “Fisch­köppe” bie­ten den Zuschau­ern und Fans seit eini­ger Zeit alles, was dazu­ge­hört, um den König Fuß­ball als das zu erle­ben, was es ist: eine Wundertüte.

aber zurück zur Gazette: Fol­gen­der Arti­kel rief mich auf den Plan, die­sen Post zu schrei­ben. Unter der Head­line “Grün-goldene Fuß­ball­re­vo­lu­tion” schreibt Michael Ashelm über den orga­ni­sier­ten Auf­stand von Anhän­gern des welt­weit bekann­ten Pre­mier Lea­gue Klubs Man­ches­ter United.

aber was hat das in aller Welt mit Social Media zu tun? Eine Menge.

ein Teil der ManU Fans hat sich orga­ni­siert in der ein­fluss­rei­chen Fan­or­ga­ni­sa­tion MUST, eine Abkür­zung, die für Man­ches­ter United Sup­por­tes Trust steht. Sie tritt ein für einen Rück­kauf des Ver­eins von der ame­ri­ka­ni­schen Unter­neh­mer­fa­mi­lie Gla­zer, der der Ver­ein seit 2005 gehört. Dem Eig­ner wird vor­ge­wor­fen, ManU “aus­zu­sau­gen”, sprich den Ver­ein nur als Mit­tel zur Geld­ver­meh­rung zu betrach­ten und damit alle, die sich mit dem Ver­ein iden­ti­fi­zie­ren, vor den Kopf zu sto­ßen. Und natür­lich damit den Ver­ein lang­fris­tig zu Grabe zu tra­gen. Es geht also pri­mär ums liebe Geld und nicht mehr um Lei­den­schaft beim Vor­zei­ge­klub auf der Insel, auf der der Fuss­ball einst ent­deckt wurde.

must ist umtrie­big und orga­ni­siert den Pro­test auf viel­fäl­tigste Art und Weise. Dabei nutzt man zeit­ge­mäße Kanäle zur Arti­ku­la­tion der eige­nen Inter­es­sen, wel­che auf ihrem Blog so zusam­men­ge­fasst werden:

MUST is the inde­pen­dent Man­ches­ter United Sup­por­ters trust. We are dedi­ca­ted to secu­ring mea­ningful per­ma­nent ownership of MUFC for supporters”

ashelm führt dazu aus: “… Die straff orga­ni­sierte Fan­or­ga­ni­sa­tion Must ist in weni­gen Wochen sprung­haft gewach­sen, aus 30.000 Mit­glie­dern sind 150.000 gewor­den. Die Web-Gurus der Inter­net­agen­tur Blue State Digi­tal, die im Obama-Wahlkampf die Mas­sen für den ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten mobi­li­sier­ten, hel­fen, die Kam­pa­gne in die ganze Welt hin­aus­zu­tra­gen. 330 Mil­lio­nen Fans soll United rund um den Glo­bus haben.”

tja und Ashelm schreibt denn auch zurecht: “… Die Zurück­er­obe­rung eines Fuß­ball­klubs durch Fans trifft den Nerv der Zeit. Wäh­rend Spe­ku­la­tion und Phan­ta­sie von Inves­to­ren die Pre­mier Lea­gue zur stärks­ten Fuß­bal­liga der Welt gemacht haben, ver­wei­gern sich immer mehr Anhän­ger dem allzu extre­men Fußballkapitalismus”

wo ist MUST in den Social Media präsent?

Ent­schei­dende Social Media Kanäle für MUST sind auf den ers­ten Blick Face­book und Youtube, wo sie authen­tisch und dia­lo­go­ri­en­tiert ver­su­chen, Auf­merk­sam­keit für ihre Anlie­gen zu generieren .

Die Facebook-Gruppe von MUST hat rund 22.000 Mit­glie­der. Die Fan­seite auf Face­book hat knapp 4.000 Mit­glie­der. Zudem gibt es mit dem Chubb Club eine wei­tere Fan­seite mit etwa 2.5000 Mit­glie­dern für alle die­je­ni­gen, die zu einem Spiel des Clubs keine Karte bekom­men haben oder diese sich nicht leis­ten konn­ten. Dane­ben ist MUST recht aktiv bei YouTube. Das Video “Beck­ham loves United” ver­zeich­net zur­zeit rund 52.000 Aufrufe.

Auf Twit­ter ist MUST eben­falls unter­wegs, aller­dings nicht über die Maßen erfolg­reich. Unter dem Kür­zel @MU_ST twit­tert man rund um neue Aktio­nen und hat seit einem hal­ben Jahr rund 450 Fol­lo­wer. Dane­ben wird der MUST Account durch einen busi­ness­ori­en­tier­ten Account @redsinbusiness (etwa 180 Fol­lo­wer) unterstützt.

Inwie­weit Blue State Digi­tal in die Social Media Bemü­hun­gen stra­te­gisch ein­ge­bun­den ist, was die bekannte Agen­tur über­haupt für MUST macht und vor allem plant, bleibt abzuwarten.

Fazit: Auf den ers­ten Blick scheint hier eine grassroot-Bewegung auf dem Vor­marsch, die sich wie andere single-issue-Bewegungen bzw. Non-Profit-Organisationen der Social Media Kla­via­tur bedient. Das Inter­es­sante daran ist, daß man wei­ter­hin bei den Akti­ven ehe­ren­am­tich arbei­tet, für die Sache Unter­stüt­zer aus allen sozia­len Schich­ten bewe­gen kann und mit begrenz­tem Bud­get (Spen­den) via Inter­net für die eigene Sache zuneh­mend an Auf­merk­sam­keit gewinnt.

Dafür nutzt man offen­sicht­lich neben dem Sup­port durch eine welt­weit füh­rende Digital-Agentur pri­mär Social Media Kanäle, die poten­ti­elle Fans der Bot­schaft auf der gan­zen Welt auch nutzen.Und der Kern der Bot­schaft ist wie in vie­len Fäl­len: Emo­tion, David gegen Goli­ath und in die­sem Fall die Rück­be­sin­nung auf alte Tugenden.

Ein Manko hef­tet der Bewe­gung aber den­noch an: Sie nutzt mit ihren Kon­tak­ten auch die Exper­tise von Prot­ago­nis­ten der glo­ba­len Wirt­schafts– und Finanz­krise, also jener Hedge­fonds­ma­na­ger und Bör­sen­mak­ler, die nach all­ge­mei­ner Les­art für das immer noch lange nach­wir­kende Desas­ter des letz­ten Jah­res ver­ant­wort­lich zeich­nen. Aber viel­leicht geht es auch nicht anders, wenn man 1,5 Mrd. Euro für seine Liebe auf­brin­gen muß…

Man wird in Zukunft von MUST noch mehr hören, da bin ich mir recht sicher. Was meint Ihr dazu?

About Johan­nes Lenz

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6 Gedanken zu “social media bottom-up case: man­ches­ter united sup­por­ters trust

  1. Pingback: Tweets that mention social media bottom-up case: manchester united supporters trust « johanneslenz` blog -- Topsy.com

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  3. Hallo Schlenzi,

    den Arti­kel muss ich noch lesen, aber ich finde ihn sehr inter­es­sant! Ebenso wie die­sen Kommentar.

    .. ja ja und das web2.4 ver­gisst ja nie…

    Also zöger nicht und gib die­sen Text frei.
    Der Rolli von nebenan.

      • Hallo Gavino,

        vie­len Dank für Dei­nen Com­ment. Wenn Du fer­tig gele­sen hast, freue ich mich über Dein Urteil. Denn: Man lernt nie aus.

        In die­sem Sinne,

        liebe Grüße

        johan­nes

      • Ja Johan­nes,

        sehr inter­es­sant. Nach Dei­nem Arti­kel habe ich gleich mit auf­merk­sa­me­ren Blick die gewon­nene Nie­der­lage von ManU gegen Bay­ern in der Cham­pi­ons Lea­gue ange­schaut. Der Ver­ein wird geschröpft und den Fans ver­geht das Lachen und das Video “Beck­ham loves United” haben wei­tere 4k user geklickt.

        In die­sem Sinne, GAVINO.

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