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Alltag eines neuen Blogger

Aller guten Dinge sind derer drei. Also greife ich in die Tasten, nicht um zu twittern, sondern um zu bloggen. Der letzte Post und die Reaktionen daruf haben mich darin bestärkt, diesen eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Zwar frage ich mich noch immer, ob ich für Posterous eigentlich den Begriff „Bloggen“ so verwenden kann/darf/will, wie es http:www.twitter.com/robgreen http://www.twitter.com/sachark, http://www.twitter.com/saschalobo, http://www.twitter.com/codeispoetry, http://www.twitter.com/talkabout oder http://www.twitter.com/klauseck tun. Aber im Gegensatz zu den „A-Bloggern“, wie es landläufig heißt, mache ich dies erst seit kurzem und bin damit ein „neuer Blogger“, ein „Greenhorn“ eben. Und dem gesteht man ja dann doch hoffentlich ein wenig zu…

Aber die fünf haben mit mir doch auch Dinge gemein. Jetzt wird der eine oder andere sich fragen, was das wohl in aller Welt sein wird. Es ist simpel: Wenn man sich mit seinen mehr als vier Buchstaben vor versammelter (Netz-) Welt so präsentiert, dann muß man zumindest eine kleine aber feine Ausprägung der Selbstliebe in sich tragen.

Damit komme ich zu einem Punkt, den der „Social Media Realist“ Uwe Knaus aufgegriffen hat, wenn er bloggt: „Die Digitale Avantgarde kann einen gewissen Hang zum Narzissmus nicht verleugnen und wird deswegen weiterhin versuchen im Mittelpunkt zu stehen, bis das „Ich“ erste Erschöpfungserscheinungen aufweist.“ Ich schätze, dass er sich da nicht ausnimmt.

Ich aber könnte jetzt anfangen und entgegensetzen: Warum werdet Ihr gerade müde, wenn ich aufstehe? Und vor allem: Ist das eine richtige Zustandsbeschreibung dessen was wir Tag für Tag in unseren Netzwerken hören, lesen oder artikulieren? Mit geht es jetzt nicht um Avantgarde und Mediennutzungskompetenz. Vielmehr will ich darauf hinaus, dass die Selbstliebe den Blick nach außen öffnet und Aufmerksamkeit möchte. In diesen karnevallistischen Tagen könnte man auch sagen: Wolle mer se rauslassen und uffange? Ja ich will!

aufmerksamkeit

Ich habe bei Kerstin Hoffmann gelesen, dass „Aufmerksamkeit die Währung des Social Web ist.“ Und da gebe ich Ihr völlig recht. Denn: Wer durch das Social Web saust, auf vielen Profilen zuhause ist, der ist virtuell präsent, schaltet sich oftmals in Diskussionen ein und postet Beiträge. Dieser Mensch will Aufmerksamkeit, weil ihn seine Selbstliebe dazu treibt…naja, das wäre jetzt arg einfach und würde vielen Menschen und ihrer Leistung – ich schreibe das für alle, ob Blogger, Twitterati oder Buzzer in Bezug auf die Kompetenz für Kommunikation – nicht gerecht.

Aber es ist was dran, stelle ich selbst fest, wenn ich lese, das http://www.twitter.com/sachark neulich zu bester Mittagszeit twittert: „@JohannesLenz ist ein gutes Beispiel, wie man sich im Social Web innerhalb kürzester Zeit einen Namen macht http://post.ly/N2VZ“ Das hat mich wirklich sehr gefreut. Und was hat es bei mir erzeugt? Das will ich schreiben: Ein ehrliches und aufrichtiges Yeah! Warum?

Erstens, weil meine Leistung honoriert wurde, so wie das gelegentlich am FollowFriday auf Twitter der Fall ist oder in Bezug auf meine beiden vorherigen Posts bei Posterous der Fall war. Das ist es wonach man sich doch auch sehnt, dass man ein feedback bekommt. Ein klares und offenes Feedback, egal ob Kritik oder Lob. Anteilnahme am Anderen nenne ich das.

Tja und damit kommt zweitens dann auch ein wenig die Selbstliebe ins Spiel und eben jene Aufmerksamkeit, die man sucht und deren Gewicht zumindest nicht von der Hand zu weisen ist. Mir fällt da nämlich gerade ein, dass daraus reale Follower resultieren können, wie es bei http://www.twitter.com/sachark neulich der Fall war, der von http://www.twitter.com/saschalobo auf Twitter empfohlen wurde. U.a. Jens Nordmann nennt das den „SaschaLobo-Effekt“. Sachar fragte darufhin seine Leser auf seinem Blog: „Wie viel ist ein @saschalobo-tweet wert?

Ich würde ja Neugierde als Währung einführen, aber dann hätten wir ratzfatz eine Inflation im Social Web…

Um den Punkt Aufmerksamkeit abzuschließen: Hinzu gesellt sich natürlich auch der Grad der Vernetzung des Einzelnen, online wie offline. Denn er führt zur Interaktion mit Anderen, zum anderen Menschen, zu anderem Wissen, einfach: zum Lernen von Anderen.

dialog & social media

Einen kräftigen Denkanstoß hat mir http://www.twitter.com/talkabout aka Mirko Lange diese Woche versetzt. Warum? Nun, weil er die These vertritt: „Es braucht keinen Dialog für erfolgreiche Social Media“. Rums, das hat gesessen, wie man auf Twitter, Buzz, Facebook oder einfach in seinem Blog lesen konnte.

Kann er die These unterfüttern? Jepp. Beispiele gibt es ja viele, sagen wir mal für Twitter etwa die http://www.twitter.com/lufthansa_de oder http://www.twitter.com/dieternuhr – bei beiden kommt kein Dialog zustande, den wir als „A sagt etwas, B antwortet“ bezeichnen könnten. Und trotzdem oder gerade deshalb sind beide erfolgreich, gemessen an ihrer Markenpopularität oder ihrer Followerzahl, auch wenn ich Letzteres als Faktor zur Gewichtung nach wie vor ablehne.

Warum klappts trotzdem? Beide können wohl kaum sämtliche Anfragen und ich meine hier nur Twitter, mir nichts dir nichts replien (beantworten). Also sieht es erstmal nach One-Way-Communication aus. Es ist also erstmal nix mit dem direkten Dialog. Aber es gibt indirekten Dialog. Gut zu beobachten auch auf beliebigen Facebook Fanpages, auf welchen die Betreiber immer wieder mal etwas posten. So ist es eben auch bei den beiden genannten Beispielen. Nur das die Lufthansa ihre Kunden mit allem rund ums Fliegen versorgt. Darüber spricht man dann ja auch untereinander, unter den Fans und Followern. Nur der Kranich hält sich zurück, hat aber kommunikationspolitisch trotzdem den Dialog gezielt initiiert.

So habe ich das verstanden. Es sind im Grunde zwei Seiten einer Medaille. Und hier setzte bei mir dann auch das Gehirn ein, denn auf Basis dieser These nutzt das Unternehmen Social Media als indirekten Dialog-Kanal, denn der direkte Dialog Anspruch „ist einfach nicht skalierbar“, wie Mirko fortfährt. An diesem Punkt gebe ich zwei Aspekte zu bedenken:

Erstens kommt es meiner Meinung nach bei der Skalierbarkeit auf Größe und Bekanntheit der Marke und des Unternehmens an. Kleine Unternehmen sollten durchaus den direkten Dialog-Anspruch umsetzen, weil sie oftmals keine treibende Marke hinter sich haben, wenn sie mit Twitter&Co. beginnen und mehr auf persönliche Integrität und Authentizität setzen müssen.

Zweitens weiß ich jetzt auch, warum mich das Keyword Social Media nicht besonders reizt im Zusammenhang mit dem, was ich hier gerade mache. Ich schreibe und bewege mich im Social Web und nutze dafür einen Social Media Kanal namens Posterous. Oder etwa nicht? Das ist etwas, was ich als realistische und sachlich richtige Einschätzung halte und vor allem die Begrifflichkeiten mal zurecht rückt. Für mich ist das Social Web die Summe der einzelnen Teile, den Social Media Kanälen.

Schließlich hat der Post von Mirko einen zweiten Synapsenanlasser bei mir gezündet: Social Media muß nichts mit social/sozial zu tun haben. Und zwar in dem Sinne dass man zwischen persönlicher und unternehmerischer Social Media unterscheiden sollte. Und ich glaube zu wissen, dass man das auch hören und lesen kann, wenn man so durch Facebook oder Twitter saust. Gut, wenn man der Alter Ego von http://www.twitter.com/almameise ist, dann wohl nicht 🙂 aber ich könnte mir vorstellen, dass sich der Unterschied bei großen Social Meda Marken und dem Einzelnen unter Euch feststellen ließe.

Das heiß in der Konsequenz, dass ich mich selbst revidiere und für eine stärkere Trennung der Begrifflichkeiten eintrete, weil es vielleicht auch das Problem löst, an dem viele von uns tagtäglich knabbern, wenn sie erklären wollen/müssen, was sie da die ganze Zeit so Wichtiges im Computer tun. Nur Social Media sagen hört sich zunächst doll an, ist aber hohl. Wenn ich es besser erklären kann, interessiert es vielleicht auch Menschen, die bisher eher mit einem Gefühl der Angst dem Social Web und den Social Media im Speziellen entgegentraten. An dieser Stelle gilt ein Dank an http://twitter.com/paetzel für seine Auffassung vor ein paar Minuten.

So, nach diesem „Social Media Rundumschlag“, wie http://twitter.com/tobiashurrle es in einem Kommentar auf meinen Jungfern-Post Brands, Social Media & Experiences scherzhaft formulierte, beschließe ich diesen mit folgendem Mirko und den Kommentaren seines Posts geschuldeten Ausspruchs, den ich allen Lesern ans Social Web Herz legen möchte:

Jeder darf, alles kann, aber muß nicht.

Und morgen wird die Stimme wieder wie auch in den letzten Wochen zu mir sagen: „War spät gestern“.

p.s.: Ich hoffe, daß ich alle Artikel und Personen entsprechend zitiert habe. Sollte dies nicht der Fall sein, korrigiere ich gerne.

About Johannes Lenz

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