wieviele säue braucht das social media dorf?

tja, die letzte woche war wieder mal ereignisreich. sascha pallenberg weist via facebook daraufhin, daß samsung zurzeit in england eine abgefahrene marketing-idee realisiert, um sein neues smartphone galaxy s an die frau und den mann zu bringen:

jeder frustrierte iphone 4 user wird via twitter identifiziert und angeschrieben, mit dem ziel, ihn als neuen user des eigenen galaxys zu gewinnen. sasmsung überlässt ihm das glaxy s for free. letztlich ist derjenige dann auch ein multiplikator für samsung, eine one man erfolgsshow sozusagen. wieviele smartphones von samsung abgegeben werden, ist unklar. Sascha meint dazu, daß es „quite a bunch“ sein werden und die kampagne jetzt schon ein erfolg sei, weil jeder in der tech-szene zurzeit darum wisse.

dann fielen mir drei posts auf, die bei twitter gefühlt trending topics zumindest für deutschland hätten werden können. da wäre zum einen ein artikel auf absatzwirtschaft.de mit der griffigen headline „Social Media: Vorsicht vor Kapuzenpullis.“ darin geht es um den jungen mann, der es allen zeigt, social media als das heilmittel für alle kunden betrachtet. diesem stereotyp des windigen jungen beraters hält wolfgang lünenbürger-reidenbach einen spiegel vor und erklärt, dass nicht jeder kunde social media in sein marketing oder seine kommunikation einbinden muss. es muss eben passen.

u.a. schreibt er: „…inzwischen hat eine hand voll agenturen über jahre hinweg erfahrungen in der für viele noch neuen arena „social media“ gesammelt – und die wenigen berater, die schon etliche Projekte umgesetzt haben, können wirklich einschätzen, wie kommunikation in blogs, auf twitter, über facebook und co. funktioniert. die erfahrung, die wir dabei gemacht haben, ist verblüffend einfach: es geht. siehe xbox, siehe carlsen-verlag, siehe daimler ag. die zeit der experimente ist vorbei. und ebenso die zeit der propheten und in pubertärer verzückung alles und jeden mit überschäumender begeisterung überschüttenden Spezialisten.“

lünenbürger-reidenbach hält fest, dass in der sich zurzeit darstellenden agenturlandschaft gerade einmal fünf, also eine hand voll, lorbeeren in der social media arena erworben haben. und die übrigen? haben die keine ahnung? sind sie komplett neu in dem metier? ich habe da so meine zweifel. sicherlich gibt es nachholbedarf in sachen social media kommunikation in deutschen agenturen. aber das scheint mir auf den ersten blick ein zu ungenaues urteil zu sein. es ist vielleicht auch müßig darübe rzu streiten, aber mir ist das zu allgemein gehalten und verdekct die anstrengungen, die es rundum hinsichtlich des themas social media gibt.

ein weiterer punkt, der inzwischen auf einigen social media kanälen, insbesondere twitter, mit zunehmender verve diskutiert wird, ist die „zeit der experimente“. es gibt immer noch viele, für die social media neu ist, ob das jetzt unternehmen, kunden, agenturen oder wer sonst sind. ich bin der felsenfesten überzeugung, dass sich lünenbürger-reidenbach auch erst einmal in die materie einfinden mußte und über trial & error nach und nach seine erfahrungen gesammelt hat. diese gestehe ich allen, insbesondere auch unternehmen zu. wieso auch nicht? social media fällt ja quasi nicht vom himmel. man muss es mit engagement und hingabe betreiben und eigentlich ist es auch gar nicht so viel anders wie das gemeinsame von freunden. man unterhält sich, tauscht sich aus und weiß, was in seinem freundeskreis so angesagt ist. und man steht zu seiner meinung, ist offen und gibt fehler zu, wenn man welche gemacht hat.

schließlich schreibt lünenbürger-reidenbach in seinem artikel, das „social media erwachsen geworden sind“. Gut, das ist Ansichtssache. Nur weil jeder drüber spricht, muß noch nicht jeder wissen, worum es geht, geschweige denn es bedienen können. In den USA sind  Social Media weiter als in Deutschland, was Agenturen oder Unternehmen anbetrifft. Aber das wird und ich meine, dass wir uns alle gemeinsam auf einem guten Weg befinden, auch und insbesondere auch mit solchen wie der von lünenbürger-reidenbach entwickeln wir uns weiter.

ein zweiter post von thilo specht hatte ebenfalls potential, um die twittercharts zu erklimmen. unter der headline Vordenker, Mitmacher, Nachtreter: Es lebe die Social Media Leitkultur! #nicht widmet er sich ausführlich dem begriff der kultur und in der folge dem der unternehmenskultur. am ende schreibt er:

„… learnings: keine unternehmenskultur, egal ob “verschlossen”, “altmodisch” oder “top-down”, kann sich auf dauer den social media entziehen, wenn die sinnhaftigkeit von einer signifikanten anzahl der mitarbeiter erkannt wurde. der wandel kann allerdings nur von innen initiiert und nicht von extern herbeiberaten werden. wer die nutzung von social media bei seinem arbeitgeber durchsetzen möchte, sollte deshalb so konkret wie möglich die eigentlichen benefits für das eigene unternehmen herausarbeiten. dabei geht es auch – achtung, erfahrungswert – und vor allem um die abbildung von prozessen.“

das ist doch mal eine ansage: man kann sich als unternehmen den social media auf dauer nicht verschliessen, was ja stimmt. denn irgendwann klopft jemand an die tür und fragt, ob man eigentlich weiß, was da so alles im internet geschrieben steht. märkte sind gespräche. an ihnen nicht teilzunehmen, ist fahrlässig und natürlich ein klarer wettbewerbsvorteil für die konkurrenz. und um die skepsis der vorgesetzen einzureissen, ist es eben wichtig, den nutzen für das unternehmen herauszuarbeiten. theorie schön und gut, aber in der praxis muss sich dies dann auch beweisen. dafür braucht es eine strategie, kanäle, personal, kontinuierliche pflege, content, monitoring usw. ne menge für einen allein. aber wenn es etwa andere mitarbeiter gibt, die bloggen, twittern oder facebooken, kann man doch einfach mal fragen, ob sie nicht hier und da support leisten wollen. ein insgesamt schöner und geistreicher post, der hoffnung macht.

der dritte und letzte post kommt von niemand geringerem als mirko lange, der sich mal wieder viel mühe gemacht hat und einen ausführlichen post zum diese woche vorgestellten ePost-Brief der post gebloggt hat, nachdem der journalist richard gutjahr in einem post gemeinsam mit dem juristen udo vetter kein gutes haar an der neuerung des posthörnchens gelassen hatte. unter dem titel von miesepetern, nörglern und grantlern – deutsches business in zeiten des web 2.0 setzt sich mirko intensiv mit der aufgekommenen kritik am ePost-Brief auseinander und folgert:

„… im aktuellen beispiel: richard gutjahr ist klug. natürlich ist es schwierig, wenn man einen potenziellen kritiker vor den kopf stößt. aber jeder gesprächsbereite kritiker ist ein potenzieller fürsprecher. für unternehmen besteht ein wettlauf mit der zeit: welche meinung wird sich zuerst entwickeln? die populistische, die über häme und schadenfreude arbeitet, gerne auch über angst und empörung? oder die sachliche, die im allgemeinen gar nicht sexy ist. die gute nachricht ist: es gibt viele gute männer und frauen in deutschland. Wenn man mit ihnen spricht, und wann man beweisen kann, dass man auch wirklich zuhört (und das gehörte auch umsetzt), dann können sich die menschen auch für das neue begeistern. ansonsten herrscht der reflex vor: nörgeln, granteln, miesepetern.“

tja, und da kommt meine headline schließlich ins spiel. man wird inzwischen den gedanken nicht mehr los, daß jede woche mindestens eine sau durch die social media kanäle des social webs getrieben werden muß, um die aufmerksamkeit der anwesenden zu befriedigen. das sachliche kommt in der tat öfter zu kurz. aber es ist ein spiel mit zwei seiten. denn: wer die aufmerksamkeit genießt, erhält re-tweets, kommentare im eigenen blog und weiteren zuspruch im facebook und anderen profilen.

die andere seite ist jene, dass sich mit diesem buzz, also dem hype um den entsprechenden beitrag und die meldung sich etwas aufschaukelt, was beispielsweise ein unternehmen, dass vielleicht darin kritisiert wird, kaum eine chance hat, darauf einzuwirken. oder doch?

ja, die deutsche post könnte sich derzeit zum beispiel in die diskussion um den ePost-Brief einschalten via social web einschalten. lieber jetzt als morgen. aber auf den ersten blick scheint es so zu sein, das es keinen account auf twitter oder facebook gibt, der einem corporate account der deutschen post entspricht. bis auf jenen von dhl, der mit seiner facebook page knapp 10.000 personen gefällt. allerdings geht es dabei eher um pakete und ihre zustellung, weniger um den ePost-Brief.

zum schluss: es wird immer populärer, unternehmen bei ihren (ersten) schritten im social web zu kritisieren. es fehlt an nachsicht. klar, manchmal fällt es mir auch schwer, zu sehen, wie sich manche unternehmen in den social media bewegen, aber hat nicht jeder mal klein angefangen?

18 Gedanken zu „wieviele säue braucht das social media dorf?“

  1. Hallo Johannes,

    ich gehe jetzt bewußt nur auf den letzten Absatz Deines Artikels ein.

    Gerade hier sehe ich ein gravierendes Problem in Deutschland bzw weiten Teilen Europas.

    Jede Idee, jede Vorhaben wird erst mal negative gesehen, es wird nach Gründen gesucht warum es nicht funktioniert bzw funktionieren kann.

    Richtig wäre es jedoch mit einer positiven Einstellung an neue Dinge oder Ideen heran zu gehen, daran zu glauben, dass es funktioniert und es einfach mal tun.

    Die Zweifel haben hier nichts zu suchen.

    Hier muss ich leider feststellen, dass viele Völker unserer Erde uns sehr viel voraus haben, was das Web bzw. Social Media betrifft in erster Linie die Amerikaner.

    Aber das ist wohl einfach eine Frage der Mentalität.

    Viele Grüße

    Jürgen

    1. moin jürgen,

      danke dir für deinen kommentar. man kann sich der eindrucks nicht erwehren, dass es tatsächlich so ist, das sich die menschen in deutschland manchmal schwer damit tun, dem neuen offen und aufgeschlossen zu begegnen. es ist so ein wenig mein steckenpferd, dies soweit ich es vermag, zu ändern. wenn du es auch probierst, sind wir schon zu zweit.

      beste grüße

      johannes

      1. Hallo Johannes,

        wir sind zu Zweit, ich versuche das laufend in meinem Umfeld und teilweise auch mit Erfolg.

        Gruß

        Jürgen

  2. Nur kurz:

    Die Post ist seit Launch des Produktes im Web aktiv und beantwortet aktiv Fragen zum E-Postbrief:

    http://facebook.com/epostbrief
    http://twitter.com/epostbrief
    http://youtube.com/epostbrief
    http://slideshare.com/epostbrief

    Auch in dem Gutjahr Fall hat sich die Post ja entsprechend zu Wort gemeldet – wenn sicher auch mit langer Verzögerung – und hat letzten Endes die Fragen weitesgehend beantworten können und wenn man mal die Trackbacks und Anzahl Retweets bei Gutjahr verfolgt gerade sicher alle Hände voll damit zu tun, auf die ganzen Reaktionen einzugehen 😉

    1. hallo herr schwab,

      vielen lieben Dank für ihren kurzen aber knackigen beitrag. ich habe mir auch den post und die comments von richard gutjahr eben nochmal angesehen. der letzte kommentar kommt vom serviceteam e-postbrief. auch was die social media kanäle angeht, hat die post ein interessante klaviatur zur verfügung. wovon, wenn ich es richtig gesehen habe, der twitteraccount schon seit übe reinem jahr besteht, die übrigen kamen in diesem jahr hinzu.

      wie ich in meinem post vom 26. schrieb, hatte ich nur einen ersten blick auf die post und ihr social media engagement geworfen. umso schöner ist es, zu wissen, das die post sich aktiv beteiligt und die diskussion mit ihrem dialogangebot unterfüttert und zur aufklärung beiträgt.

      weiter so, aktiv und dialogorientiert!

      beste grüße

      johanne slenz

  3. Hallo,

    wir haben festgestellt, dass zu einigen Punkten in unseren Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) zum E-POSTBRIEF zusätzlicher Informationsbedarf besteht. Die identifizierten Punkte haben wir in einer eigenen FAQ erläutert, diese finden Sie hier:

    Mit freundlichen Grüßen

    Philipp Schwertner vom Serviceteam E-POSTBRIEF

    1. hallo lieber herr schwertner,

      vielen Dank für die Reaktion auf meinen letzten post vom 26.07.2010. Es hat mich gefreut, zu sehen, daß ich mit meinen zeilen dazu beitragen konnte, daß die post über ihr serviceteam e-postbrief auf die im social web geführte diskussion um den e-postbrief zugeht und die daran beteiligten anspricht.

      jetzt wäre es nur folgerichtig, dieses signal der offenheit langfristig zu etablieren, sprich dass sie sich überlegen, nach dem sie eine strategie entwickelt haben, an den gesprächen über sie im social web via sinnvoller und für sie geeigneter social media kanäle aktiv teilzunehmen und zu lauschen, was ihre kunden, wettbewerber oder interessierte wozu sagen, worüber sie sprechen usw., um ihre untenrehmenskommunikation demnetsprechend um den online-bereich zu erweitern.

      und wenn sie dann noch persönlich in diesen kanälen durch dazu ausgebildete kollegen auftreten, wie z.b die telekom mit ihrem twitterchannel telekom_hilft, werden sie bei langfristigem engagement sehen, dass es sich lohnt. sehr sogar.

      was die diktion ihrer reaktion angeht, würde ich ihnen vorschlagen, künftig den autor eines blogposts wie üblich anzusprechen (lieber herr…, liebe frau…), damit dieser nicht eindruck bekommt, empfänger eines massenkommentars oder gar spam geworden zu sein, was ihren guten willen nachträglich diskreditieren könnte.

      ich stehe ihnen für weitere fragen, anmerkungen oder informationen gerne zur verfügung!

      beste grüße

      johannes lenz

  4. Bin ganz deiner Meinung! Super Artikel – war mein erster Besuch auf deinem Blog, wird aber nicht der letzte bleiben! Beste Grüße, Steffi

  5. Ich glaube, dass schon eine gewisse Nachsicht da ist, aber nur wenn Fehler nicht 20x begangen werden.

    Es ist teilweise schon schade wenn Unternehmen nicht erkennen, wer die Treiber in ihren Reihen sind. Da würde oftmals der Praktikant ein weitaus besseren Blog schreiben als jeder andere!

    1. Sicherlich, aus der Wiederholung von Fehlern wird es auch nicht besser. Aber für viele Unternehmen ist das Social Web eine ganz neue Perspektive, die sie zunächst unter Druck setzt, denn man hat via Unternehmenskultur ja in den letzen Jahren eine andere Marschrichtung eingelegt – One Voice Policy. Und jetzt auf einmal stellt man fest, daß es Mitarbeiter gibt, die facebooken, bloggen, Twittern usw. Diese Potential, diese Bereitschaft muß genutzt werden. Das sind die Treiber, klarer Fall.

      Aber wir müssen auch aufpassen, niemanden vorzuverurteilen. und da glaube ich, ist der Zeitgeist zum Teil ein anderer. und ich versuche eben für diese Nachsicht zu werben, ob im Social Web oder im realen Leben.

      Beste Grüße

      Johannes

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