bosch im gespräch (1/2): “wenn ich durch die stadt gehe und mir etwas inter­es­san­tes auf­fällt, dann foto­gra­fie­re ich es”

irgend­wann fing ich an, die foto anwen­dung instagr.am auf dem smart­pho­ne zu benut­zen. war­um? nun, mein netz­werk wies mich dezent dar­auf­hin und ich habe es aus­pro­biert und fest­ge­stellt, dass es irgend­wie ver­dammt viel spaß macht, sich schnell zu über­le­gen, wie ich mich posi­tio­nie­re und das objekt der begier­de in sze­ne set­ze. und natür­lich, dass ich mein netz­werk dar­an teil­ha­ben las­sen kann. jeden­falls habe ich lan­ge zeit einen der zehn oder wie vie­len fil­ter genutzt. inzwi­schen nut­ze ich sie kaum mehr oder wenn, einen recht dezen­ten und ver­wen­de auch mal snap­seed. aber ich schwei­fe ab. es dau­er­te nicht lan­ge, bis ich auf jeman­den auf­merk­sam wur­de, den ich letz­tes jahr auf dem video­camp in ber­lin ken­nen­lern­te und der mir als blog­ger schon ein wenig bekannt war.

Bild: Twit­ter-Pro­fil @bosch — Foto by Kat­ja Klein

genau­er gesagt als bosch. ja genau, wie der her­stel­ler der gleich­na­mi­gen kühl­schrän­ke, werk­zeu­ge, pum­pen usw. im wah­ren leben heißt bosch andré krü­ger. und da ich beruf­lich neu­lich beim face­book camp war, habe ich ihn dort­hin “gelockt” und ein­fach mal gefragt, ob er lust und vor allem zeit hat für ein gespräch hier im blog. und ich ließ ihm gar kei­ne wahl, nein zu sagen.

wir ver­ein­bar­ten, uns gegen­sei­tig via goog­le dri­ve mit fra­gen und ant­wor­ten zu bom­bar­die­ren und uns via twit­ter kur­zu­zu­schlie­ßen … das ergeb­nis lest Ihr hier. und in anbe­tracht der aus­führ­lich­keit haben wir uns dann aber doch dazu ent­schlos­sen, euch zwei tei­le anzu­bie­ten 😉

johan­nes: moin andré, na wie geht’s dir. was machst Du gera­de? blog­gen oder einen foto-spa­zier­gang in ber­lin?

andré: ich wei­le gera­de aus beruf­li­chen grün­den in der haupt­stadt. wäh­rend das schrei­ben eines blog­tex­tes doch grö­ße­rer auf­merk­sam­keit bedarf, ist die han­dy­fo­to­gra­fie für mich eher etwas bei­läu­fi­ges. wenn ich durch die stadt gehe und mir etwas inter­es­san­tes auf­fällt, dann foto­gra­fie­re ich es. bin­nen ein bis zwei minu­ten ist das bild dann auf dem tele­fon bear­bei­tet und hoch­ge­la­den.

johan­nes: aha. aber was macht denn nun den reiz für dich aus, zu “Insta­gram­men”? immer­hin hast du dem spie­gel kurz nach bekannt­wer­den des kaufs der app durch face­book ein inter­view gege­ben… und hast eine fünf­stel­li­ge fol­lo­wer­schaft, die tag­täg­lich dei­ne fotos kom­men­tiert oder lik­ed… “bei­läu­fig” scheint mir in die­sem zusam­men­hang wohl eher “under­state­ment” zu sein oder etwa nicht?

andré: das ist zwar rich­tig, aber den­noch ist das foto­gra­fie­ren für mich ein eher bei­läu­fi­ger vor­gang. wenn ich eine auf­nah­me mache, den­ke ich nicht dar­über nach, wie ein bestimm­tes bild bei mei­nen fol­lo­wern ankom­men könn­te, son­dern ori­en­tie­re mich an dem, was ich für foto­gra­fie­rens­wert erach­te. der reiz an Insta­gram ist zum einen das unmit­tel­ba­re: die gemach­ten fotos sind sofort für jeder­mann sicht­bar. zum ande­ren spielt die com­mu­ni­ty auf insta­gram eine gro­ße rol­le. ich foto­gra­fie­re nicht nur selbst, son­dern betrach­te auch gern die bil­der derer, denen ich fol­ge. für fast jede rich­tung der foto­gra­fie von archi­tek­tur bis hin zu mode­fo­to­gra­fie gibt es auf insta­gram her­vor­ra­gen­de foto­gra­fen. oft stau­ne ich, was mit einem mobil­te­le­fon mög­lich ist. über die bil­der ent­steht mit­tels kom­men­ta­re und likes eine kom­mu­ni­ka­ti­on oft über kon­ti­nen­te hin­weg. anders als bei twit­ter ist man auf insta­gram nicht auf sei­nen sprach­raum fest­ge­legt.

johan­nes: es ist also eine mischung aus unmit­tel­bar­keit, gemein­schaft­li­cher kom­mu­ni­ka­ti­on und viel­falt, die den reiz für dich an insta­gram aus­macht. das trifft auf twit­ter eben­falls zu… den unter­schied macht die visua­li­tät: twit­ter lebt von 140 zei­chen, die links zu bil­dern usw. ent­hal­ten kön­nen (optio­nen: orts­an­ga­be, pos­ten auf div. soci­al net­works), insta­gram stellt das bild in den vor­der­grund, das ich mit optio­na­ler orts­an­ga­be ver­se­hen auch auf face­book oder twit­ter pos­ten kann. spie­gelt der erfolg von insta­gram (und in des­sen fol­ge pin­te­rest & co.) die immer stär­ker wer­den­de bedeu­tung von visua­li­tät in der gesell­schaft­li­chen kom­mu­ni­ka­ti­on wie auch in der mar­ken­kom­mu­ni­ka­ti­on wie­der?

andré: ob die bedeu­tung der visua­li­tät in der gesell­schaft­li­chen kom­mu­ni­ka­ti­on zunimmt, muss die wis­sen­schaft klä­ren. mein ein­druck ist, dass es men­schen gibt, die bes­ser mit text umge­hen kön­nen und es men­schen gibt, die sich eher von visu­el­len ein­drü­cken ange­spro­chen füh­len. manch­mal gibt es über­schei­dun­gen, aber sub­jek­tiv betrach­tet doch eher sel­ten. in der mar­ken­kom­mu­ni­ka­ti­on spielt insta­gram noch eine zu ver­nach­läs­si­gen­de rol­le, obgleich es bereits erfolg­rei­che cases gibt. bur­ber­ry ver­zeich­net rd. 390.000 Fol­lo­wer und auch ford hat mit #fie­sta­gram bereits einen wett­be­werb auf insta­gram aus­ge­lobt. den­noch sind mar­ken, die auf insta­gram aktiv sind, noch ein­zel­fäl­le. auf face­book-pages kön­nen wir jedoch einen trend beob­ach­ten, dass fans stär­ker auf bild- und video­bot­schaf­ten als auf rei­nen text reagie­ren.

johan­nes: gut und wie ist das mit pin­te­rest, die ja nicht von der app als platt­form kom­men, son­dern web­ba­siert sind? bist du dort aktiv und kannst uns dei­nen ein­druck wie­der­ge­ben? was kann die viel­dis­ku­tier­te “vir­tu­el­le bil­der­wand” aus dei­ner sicht für die mar­ken­kom­mu­ni­ka­ti­on brin­gen und war­um geht von dem star-up so eine fas­zi­na­ti­on aus?

andré: ich habe mir pin­te­rest ange­se­hen, bin dort aber nicht aktiv. daher habe ich nur einen sehr unvoll­stän­di­gen ein­druck. (das ist immer so, von außen betrach­tet.) mich hat pin­te­rest, als rei­ne bil­der­schleu­der, nicht gepackt. ich per­sön­lich fin­de platt­for­men inter­es­san­ter, auf denen die nut­zer eige­ne urhe­bun­gen zei­gen. tumb­lr-blogs sind auch häu­fig “nur” kura­tiert, zei­gen aber doch häu­fig (pop-)kulturelle errun­gen­schaf­ten der netz­welt. pin­te­rest hin­ge­gen scheint mir eher pro­dukt­ge­trie­ben zu sein. das muss nichts schlech­tes sein, nur inter­es­siert es mich halt nicht. nut­ze­rIn­nen haben offen­bar einen aus­ge­präg­ten drang, über pin­te­rest vor allem bil­der von pro­duk­ten zu zei­gen. somit hat es natür­lich sei­ne daseins­be­rech­ti­gung und wird mög­li­cher­wei­se auch für mar­ken eine rol­le spie­len. es bleibt jedoch zu beob­ach­ten, wie sich der Hype ent­wi­ckelt.

johan­nes: inter­es­sant… pin­te­rest als “bil­der­schleu­der”… ich bin mir nicht ganz so sicher, ob das pro­dukt dort im Vor­der­grund steht oder nicht eher indi­rekt über die lei­den­schaft, die nut­zer für ein bild hegen. aller­dings sehe ich immer wie­der, wie etwa rei­hen von bil­dern die run­de machen… neu­lich nacht etwa donuts mit gesich­tern 😉 aber ich schwei­fe ab. du schreibst, du fin­dest platt­for­men, auf wel­chen nut­zer ihr eige­nes gewer­ke dar­stel­len, inter­es­san­ter. das führt mich zur fra­ge, was dich und dein digi­ta­les dasein antreibt. was bedeu­tet es für dich, in digi­ta­len sphä­ren unter­wegs zu sein?

die ant­wort auf die­se fra­ge könnt ihr dem­nächst hier im blog im 2. teil lesen, wenn es wie­der heißt: du @bosch, ich hab da mal ne fra­ge 😉

2 Gedanken zu „bosch im gespräch (1/2): “wenn ich durch die stadt gehe und mir etwas inter­es­san­tes auf­fällt, dann foto­gra­fie­re ich es”“

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