insta­gram: kein bei­spiel für geduld im soci­al web. oder?

world clock

in “echt­zeit-zei­ten” und wie­der­keh­ren­den rekor­den bei der nut­zungs­in­ten­si­tät von soci­al media kanä­len wür­den vie­le spon­tan ant­wor­ten: ja, geduld spielt kei­ne rol­le. mit geduld lockt man kei­ne maus zum ret­weet, like oder sha­re im soci­al web her­vor. auf auf, wir haben kei­ne zeit und jagen der infor­ma­ti­on, news, mel­dung usw. hin­ter­her. geduld wirkt da wie eine Hand­brem­se, die man bei vol­ler fahrt anzieht.

eine min­der­heit wür­de mit nein ant­wor­ten. ein schnel­les urteil kann fehl­lei­ten. ein schnel­les urteil auf basis eini­ger ‚win­zig klei­ner infor­ma­ti­ons­brö­sel ist kein urteil, son­dern ein schnell­schuss. und die­ser geht in der regel immer nach hin­ten los.

schnell­schüs­se statt geduld

es gibt aber auch schnell­schüs­se, die so vie­le mäu­se im soci­al web her­vor­lo­cken, dass man sich fra­gen kann, ob da hirn im spiel ist oder nicht viel­mehr vaku­um. und mit vaku­um mei­ne ich, das aber auch jede maus schnell einen ret­weet, like, sha­re, mel­dung, blog­post usw. raus­hau­en muss. und alle schrei­ben das glei­che, um das größ­te stück vom gereif­ten brie, camem­bert, man­che­go oder gra­na pada­no zu ergat­tern.

so ein käse war etwa die dis­kus­si­on um insta­gram. von novem­ber bis anfang janu­ar waren die mäu­se in auf­ruhr; erst wegen der agb-ände­run­gen, dann wegen der sin­ken­den nut­zungzah­len und schließ­lich wegen der doch nicht sin­ken­den nut­zungs­zah­len. und alle mäu­se woll­ten einen mög­lichst gros­ses stück vom käse. mit dabei waren, wie ein blick auf die goog­le such­ergeb­nis­se zeigt, bekann­te und nam­haf­te zei­tun­gen, bou­le­vard­ma­ga­zi­ne oder tech-maga­zi­ne.

die kat­ze war dabei nicht sam mit sei­nen augen­brau­en, der der­zeit für furo­re sorgt, son­dern insta­gram selbst. die kat­ze zeig­te ihre kral­len und offen­bar­te rund 100 Mio. monat­lich akti­ve Nut­zer. das gab es zuvor nicht. insta­gram, wie zuvor schon goog­le, face­book oder lin­kedin, hielt sich lan­ge bedeckt, was genaue zah­len zur nut­zung der eige­nen platt­form anbe­trifft. dies scheint sich geän­dert zu haben.

um es vor­weg­zu­neh­men: insta­gram kann es sich nicht erlau­ben, bei den zah­len zu mogeln. und ja, insta­gram ist die­sen schritt auf­grund des öffent­li­chen drucks auf­grund der von ihm ver­schul­de­ten agb-debat­te gegan­gen.

aber: erst hor­ror­mel­dun­gen zu ver­fas­sen, dass insta­gram mäch­tig an nut­zern ver­liert (bei­spie­le: “insta­gram ver­liert die hälf­te sei­ner stamm­kun­den”, “insta­gram ver­liert 50% sei­ner akti­ven nut­zer in einem Monat”, “insta­gram ver­liert hälf­te der stam­muser” oder “user lau­fen foto­dienst davon — insta­gram ver­liert mas­sen­haft nut­zer…”) — was so gar nicht offi­zi­ell bestä­tigt wur­de -, um dann hin­ter her zu schrei­ben, dass es doch nicht so wild sei und dabei auf die von insta­gram ver­öf­fent­lich­ten zah­len zu ver­wei­sen, das ist für mich vaku­um.

es geht dabei ganz gewiss nicht um geduld. was zählt ist schnel­lig­keit, auf­merk­sam­keit und views. das fin­de ich zutiefst bedau­er­lich. vor allem dann, wenn es nicht nur die tun, von denen man es sich ins­ge­heim denkt, son­dern wenn auch jene dabei sind, die qua­li­tät in der regel groß­schrei­ben.

muss man denn heut­zu­ta­ge hin­ter jedem käse her­ja­gen?

Bild­quel­le: “Es schlägt 5 vor 12!”, eige­nes Tele­fon

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