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gedan­ken­fluss III

alles um uns her­um ist böse. wir müs­sen zusam­men­ste­hen. auf der hut sein. sind wir es nicht, droht uns größ­te gefahr. zwei fra­gen gilt es zu beant­wor­ten: wer oder was ist böse und wie kön­nen wir uns davor schüt­zen?

exkurs: vor etwas mehr als vier wochen schrieb ich gedan­ken­fluss II. tenor: “das plötz­li­che ist die regel gewor­den” (zit. nach axel hacke).

wer oder was ist böse?

zuerst ein­mal sind wir böse. wir alle. zumin­dest dann, wenn wir unse­ren blick von ägyp­ten, dann nach liby­en sowie wei­ter nach japan len­ken, um ihn auf lena zu rich­ten. oder etwa nicht? wahr­schein­lich wür­den die men­schen in liby­en das beja­hen, wenn sie dar­an den­ken, dass die welt­auf­merk­sam­keit mit ihrer kame­ra wei­ter­ge­wan­dert ist. jetzt ist sie in big apple beim fest­ge­nom­me­nen iwf-chef. oder eben in palo alto, wo der ohne­hin böse mark zucker­berg noch etwas viel böse­res im schil­de führ­te und dabei auf­ge­flo­gen ist: das schlecht­re­den des kon­kur­ren­ten goog­le via pr agen­tur, die geschickt bos­haf­tig­kei­ten streu­en soll­te.

chris­to­pher sog­hoa­in stellt in der f.a.s. dazu fest: “jedes inter­net­un­ter­neh­men macht so etwas. nur sind die ande­ren nicht so dumm, sich dabei erwi­schen zu las­sen.” und im tele­graph bewer­tet er den vor­gang so: “i think this inci­dent reveals that face­book now belie­ves that goog­le is a thre­at to them, and is sca­red enough to try to covertly stab them in the back. this is the most sur­pri­sing and inte­res­ting aspect of this scan­dal.”

soghoi­an hat wohl der­zeit eini­ges zu tun, um die anfra­gen, die an ihn gestellt wer­den, zu bewäl­ti­gen. immer­hin hat er die geschich­te an die öffent­lich­keit gebracht.

aber ist face­book wirk­lich böse oder eigent­lich nicht oder etwa doch? es erleich­tert uns doch die unter­hal­tung mit­ein­an­der enorm. kann etwas böse sein, auf das über 600.000.000 erden­bür­ger abfah­ren wie sonst nur auf big mac‘s oder dou­ble whop­per?

so what” könn­te man jetzt eigent­lich sagen. und face­book sagt sich das auch. “die schuld ein­ge­ste­hen, so wenig wie mög­lich kom­men­tie­ren, dann die feh­ler zügig kor­ri­gie­ren und wei­ter­waach­sen…”, so die f.a.s. wenn dem so ist, ist es eine sub­ti­le wie auch erfolgs­ver­spre­chen­de tak­tik.

oder ist es am ende gar nicht face­book, son­dern die pr agen­tur, die das böse ver­kör­pert? sie rückt ins visier mit der kla­ren for­mu­lie­rung, “der agen­tur soll­te sei­ne aus­zeich­nung als “lar­ge us agen­cy of the year 2010” aberkannt wer­den.” mal abge­se­hen davon, dass man die arbeit der agen­tur nicht gut­hei­ßen muss, stellt sich doch die fra­ge nach dem sinn die­ser for­de­rung.

wie schüt­zen wir uns davor?

wenn wir uns fra­gen, wer hier eigent­lich böse ist und wer wem dabei hilft, soll­ten wir uns viel­leicht lang­sam damit anfreun­den, dass wir es selbst sind oder nicht? freu­en wir uns nicht gera­de so dol­le auf die blog-face­book-goog­le-twit­ter-lin­kedin-und-so-wei­ter-soci­al-media-welt, weil sie es ist, die es uns ermög­licht, unse­re gedan­ken mit ande­ren zu tei­len?

ler­nen wir jetzt end­lich, dass die blog-face­book-goog­le-twit­ter-lin­kedin-und-so-wei­ter-soci­al-media-welt nicht “for free” zu haben ist und auch bei wei­tem nicht so ehren­wert ist, wie vie­le mei­nen?

vor uns selbst schüt­zen kön­nen wir uns, wenn wir dem idea­lis­mus, der uns und unse­rem blog-face­book-goog­le-twit­ter-lin­kedin-und-so-wei­ter-soci­al-media-welt-leben so viel bedeu­tet, einen rea­lis­ti­schen blick zur sei­te stel­len: wir kön­nen in die  blog-face­book-goog­le-twit­ter-lin­kedin-und-so-wei­ter-soci­al-media-welt ein­tau­chen, auf den ers­ten blick “for free”, aber tat­säch­lich wer­den unse­re daten ver­ar­bei­tet und füh­ren dazu, dass wir uns mit per­sön­li­cher wer­bung aus­ein­an­der­set­zen können/müssen. hin­zu kommt natür­lich, dass wir unse­re daten auch anwen­dun­gen ande­rer art im inter­net zugäng­lich machen. ganz ein­fach beschrie­ben.

wenn wir dass also wis­sen und wol­len, soll­ten wir auch end­lich mal auf­hö­ren, immer nach dem bösen zu suchen. goog­le, face­book oder fours­qua­re: dem bösen einen namen zu geben, war schon im mit­tel­al­ter ein­fach. aber sich kon­struk­tiv mit der rea­li­tät aus­ein­an­der­zu­set­zen, schon schwie­ri­ger. wir kön­nen nicht kla­gen, ewig schimp­fen und das böse als face­book, goog­le oder was auch immer bezeich­nen, um es aber gleich­zei­tig weid­lich für uns zu nut­zen, dar­in aus­gie­big scha­fe züch­ten oder für jede such­an­fra­ge eine erle­se­ne ant­wort erwar­ten…

hal­lo, face­book ist ein unter­neh­men. goog­le auch. und all die ande­ren unse­rer lieb­ge­won­ne­nen blog-face­book-goog­le-twit­ter-lin­kedin-und-so-wei­ter-soci­al-media-welt. die wol­len kein mao­am, die wol­len, ja müs­sen geld ver­die­nen. und da gilt das gesetz der zah­len. der guten zah­len. der her­vor­ra­gen­den zah­len. der rekord­zah­len. es herrscht kon­kur­renz. enor­me kon­kur­renz. ein feh­ler an einer stel­le dei­nes weges und der ande­re ist an dir vor­bei­ge­zo­gen. wenn nicht jetzt dann in einem jahr. und inzwi­schen haben dich dei­ne share­hol­der aber mal ganz kräf­tig bei­sei­te genom­men. oder dei­ne aktionäre/gesellschafter haben dich ein­fach mal los­ge­las­sen, qua­si in den luft­lee­ren raum… neue aktio­nä­re kön­nen mit­un­ter eini­ges bewir­ken. das ken­nen wir von neu­en besen nur zu gut…

wenn wir also das nächs­te mal das böse mei­nen zu sehen, soll­ten wir ein­fach mal kurz inne­hal­ten und nach­den­ken.

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gedan­ken­fluss II

vor vier wochen schrieb ich den gedan­ken­fluss I. dar­in ging es mir um gedan­ken im vel­rauf des vor­he­ri­gen ski­ur­laubs, “wäh­rend men­schen in japan und liby­en um ihr leben kämp­fen.”

und natür­lich die fra­ge, wie, wohin und vor allem war­um wir die “kame­ra” schwen­ken. “und mit jedem wech­sel der fokus-ein­stel­lung ver­ges­sen wir, was vor­her war. wor­um wir uns sorg­ten.”

inzwi­schen waren land­tags­wah­len mit bun­ten ergeb­nis­sen und wir sor­gen uns um einen poli­ti­schen fah­rens­mann, des­sen ver­meint­li­cher alter ego wes­ter­wa­ve sich nun lang­sam aber sicher etwas ein­fal­len muss, will er auf twit­ter noch wahr­ge­nom­men wer­den…

immer noch kämp­fen men­schen in liby­en, japan und anders­wo um ihr über­le­ben. die zeit kennt kei­ne gna­de. und unse­re kame­ra­ein­stel­lung erst recht nicht.

axel hacke hat die­se emp­fin­dun­gen im letz­ten maga­zin der sued­deut­schen auf sei­ne ihm urei­ge­ne und ein­dring­li­che wei­se beschrie­ben. ich möch­te dies zitie­ren, weil es mei­ne gedan­ken trifft, näm­lich die gleich­zei­tig­keit der ereig­nis­se und­wir, die den fokus der kame­ra immer wie­der ändern, immer schnel­ler, weil, wie er sagt: “das plötz­li­che ist die regel gewor­den”

er schreibt: “das gibt es: unter­schied­li­ches emp­fin­den für das ver­ge­hen der zeit. sagt man nicht, der mensch habe mit 18, rein sub­jek­tiv, die hälf­te sei­nes lebens hin­ter sich? aber in die­sen wochen hat man das gefühl, die zeit neh­me selbst sozu­sa­gen fahrt auf, sie lege einen zwi­schen­spurt ein.

ein minis­ter, dem das volk zu füs­sen lag, ent­puppt sich in weni­gen tagen als blen­der; ein land, das zu den größ­ten wirt­schafts­mäch­ten des glo­bus gehört, sieht von einer stun­de auf die ande­re zu tei­len aus wie eine müll­hal­de und ringt mit der apo­ka­lyp­se; ein dik­ta­tor, dem unse­re füh­rer ges­tern die wan­gen küss­ten, wird von ihnen mit rake­ten gejagt; ein fuss­ball­trai­ner, der gera­de noch herr auf schal­ke war, scheucht zwei tage spä­ter wolfs­bur­ger pro­fis übers gras; eine kanz­le­rin, die einer fes­ten mei­nung war, ist rucki­zucki über­zeugt vom gegen­teil.

was frü­her jah­re dau­er­te, pas­siert jetzt in kür­ze. das plötz­li­che ist die regel gewor­den.”

ich will das plötz­li­che anneh­men, mich auf das uner­war­te­te freu­en oder auch her­aus­for­dert sein. aber ich will nicht ver­ges­sen. ich will mich erin­nern und nicht im moment leben und den davor und den davor schon längst ver­ges­sen haben, weil eine ande­re kame­ra­ein­stel­lung eine viel auf­re­gen­de­res bild zu ver­mit­teln meint.

p.s.: das bild zu anfang des posts habe ich über die erwei­ter­te goog­le bil­der suche gefun­den.

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Gedan­ken­fluss I

eine woche war ich im urlaub. er war wun­der­bar. erhol­sam. son­nig. gedan­ken­ab­schwei­fend. völ­lig ohne online, twit­ter und netz­wer­keln.

eine zäsur setz­te ein, als man fest­stell­te, daß man gera­de bei herr­lichs­tem wet­ter im lift hoch hin­auf auf den berg unter­wegs war, wäh­rend men­schen in japan und liby­en um ihr leben kämp­fen.

wahr­schein­lich erging es so noch vie­len ande­ren men­schen die­ses pla­ne­ten zu die­sem einen zeit­punkt, doch sind die­se bei­den “brand­her­de”, wie es immer so schön heißt, im hier und jetzt bild­schirm ein­ge­schal­tet.

und war­um holt nie­mand den eimer was­ser, um den brand­herd zu löschen? oder wenigs­tens sand, um ihn zu ersti­cken? wo ist der mas­ter­plan, der doch sonst immer sofort bei der hand ist…

manch­mal habe ich den ein­druck, wir alle mit­ein­an­der, die wir im soci­al web unter­wegs sind, sit­zen hin­ter der kame­ra. zur­zeit haben wir ihren fokus auf japan gerich­tet und sor­gen uns öffent­lich. zuvor ziel­te er auf liby­en. und wir sorg­ten uns öffent­lich. und mit jedem wech­sel der fokus-ein­stel­lung ver­ges­sen wir, was vor­her war. wor­um wir uns sorg­ten

es ist wohl mensch­lich, das wir uns erin­nern. genau­so, wie wir ver­ges­sen. zumin­dest soll­ten wir aber zuse­hen, das unse­re erin­ne­rungs­lü­cken nicht zu groß wer­den. denn dies könn­te dazu füh­ren, dass wir unse­re (mit-)menschlichkeit auf dem sil­ber­ta­blett in die küche tra­gen las­sen. von das aus wird sie dann über den müll­ei­mer auf die recy­cling­sta­ti­on ver­frach­tet. als was sie dann bei ande­rer gele­gen­heit vor uns wie­der auf­taucht, mag ich nicht zu erah­nen…

das soci­al web hat in der zeit, in der ich es ken­nen- und schät­zen gelernt habe, wun­der­ba­re din­ge her­vor­ge­bracht und sich durch einen cha­rak­ter aus­ge­zeich­net, der von hilfs­be­reit­schaft und aus­tausch geprägt ist. soll­te sich dies inner­halb einer woche geän­dert haben?

p.s.: das bild zu anfang des posts habe ich über die erwei­ter­te goog­le bil­der suche gefun­den.

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