tumb­lr: ab mor­gen mehr geld, aber eine zukunft?

yahoo is buying tumblr - source http://bit.ly/12EES3i

yahoo vor der über­nah­me von tumb­lr. der belieb­te blog­ging­dienst …” so oder so ähn­lich las sich das ges­tern auf dem info­screen in der ubahn-hal­te­stel­le auf dem weg ins thea­ter. erstaun­lich über­haupt, wie die­se mel­dung in aller welt rasen­de ver­brei­tung fin­det. gedan­ken zu einem neu­en “traum­paar” in der welt des inter­nets.

#1 money makes tumb­lr go round

es ist nicht das ers­te mal, dass mich tumb­lr umtreibt. neu­lich schrieb ich drü­ben im akom360 blog dar­über, dass der blog­ging­dienst mit sei­nem ceo david karp unter erheb­li­chem druck sei­tens der inves­to­ren steht. grund dafür: tumb­lr hat seit sei­ner grün­dung 2007 geschätz­te 125 mio. $ erhal­ten, aber letz­tes jahr ledig­lich 12 mio $ gewinn ein­ge­fah­ren wenn es wohl auch das bes­te ergeb­nis in der geschich­te des 6 jah­re alten netz­wer­kes war.

das heißt, an die­ser front muss sich was tun. man hat ende 2012 und anfang 2013 im bereich wer­be­for­ma­te zuge­legt. aller­dings reicht dies wohl kaum aus, das kom­mu­ni­zier­te und von vie­len belä­chel­te ergeb­nis von 100 mio. $ gewinn in 2013 zu errei­chen.

die 1,1 mrd. $, die der­zeit als preis für tumb­lr ange­nom­men wird, wür­de für karp und tumb­lr mit einem schlag etli­che pro­ble­me lösen. mit dem lila‘nen such­ma­schi­nen-rie­sen könn­te man das adver­ti­sing und tar­ge­ting pro­blem effek­ti­ver ange­hen als bis­her. im gegen­zug wür­de man yahoo-diens­te inte­grie­ren müs­sen. zudem könn­te man end­lich die inves­to­ren ruhig stel­len.

wie yahoo mit dem pro­blem porn-con­tent umge­hen wird (wenn es denn ein pro­blem ist), der tumb­lr immer noch traf­fic beschert, ist eine ande­re fra­ge. “Porn now makes up a smal­ler pro­por­ti­on of its traf­fic than it has in the past … Yahoo may have to tread care­ful­ly with sug­ges­ti­ve con­tent. The­re are rea­sons why Tumb­lr is popu­lar with young peop­le. Pru­dish­ness is not high on that list”, stellt die Busi­ness­Week fest.

#2 yahoo will cool wer­den, nicht tumb­lr

nach­dem das yahoo board heu­te dem plan von ceo maris­sa may­er zuge­stimmt hat — bei tumb­lr hat­te man das schon erle­digt — geht alle welt davon aus, das mor­gen auf der eilig anbe­raum­ten pres­se­kon­fe­renz der deal öffent­lich gemacht wird.

die­ser wür­de zei­gen, dass sich yahoo sei­ner lage bewusst ist. yahoo muss wie­der vor­wärts kom­men, spe­zi­ell im hin­blick auf den wett­be­werb mit den ande­ren gro­ßen wie dem riva­len goog­le oder face­book und twit­ter. im ver­gleich zu ihnen gilt yahoo als so was von uncool, dass man sich in den usa schon schä­men muss, dort eine mail­adres­se zu besit­zen. das pen­dant in deutsch­land könn­te gmx sein. oder web.de 😉 

spass bei­sei­te: fakt ist, das mit dem amts­an­tritt von may­er yahoo auf­grund einer prall gefüll­ten por­to­kas­se aus ein­kaufs­tour ist und spe­zi­ell im mobi­le bereich start­ups gekauft hat. mit tumb­lr wür­de man eine grö­ße­re num­mer ein­kau­fen, die über vie­le akti­ve mit­glie­der — spe­zi­ell auch im bereich mobi­le — mit noch mehr con­tent ver­fügt. zudem: tumb­lr ist cool. tumb­lr ist in. also zumin­dest wenn man den rie­si­gen ame­ri­ka­ni­schen markt betrach­tet. im aus­land sieht es anders aus. aber in den usa ist spe­zi­ell die alters­grup­pe 18 bis 24 stark ver­tre­ten. und die­se wie­der­um gibt es bei yahoo so gut wie nicht mehr. also ist es fol­ge­rich­tig, sich tumb­lr zu angeln.

ob der preis gerecht­fer­tigt ist, müs­sen ande­re ein­schät­zen. immer­hin wird tumb­lr der­zeit auf 800 mio. $ taxiert. kom­men die 125 mio. $ von den inves­to­ren dazu, nähert man rasch dem mög­li­chen kauf­preis von 1,1 mrd $.

kurz zu dem ding mit dem cool sein. ich hal­te die­ses argu­ment für rich­tig und falsch. was ziel­grup­pen und image angeht, klar, da kom­me ich mit. aber ist das aus­schlag­ge­bend für einen sol­chen deal, der unter umstän­den dazu füh­ren könn­te, dass die “gekauf­te braut” tumb­lr an cool­ness ein­büßt, was sich in abwan­de­run­gen von nut­zern zei­gen könn­te? ingrid lun­den hat ja auf tech­crunch dar­auf­hin gewie­sen, wel­chen ein­druck tumb­lrs zah­len der­zeit bei ihr hin­ter­las­sen: “Not a sin­king ship, but not a zip­py litt­le speed­boat, eit­her. Yahoo’s MyS­pace, inde­ed.”

#3 die mär vom “last day at tumb­lr”

ich bin in vie­ler­lei hin­sicht ein idea­list. ich habe damit abso­lut kein pro­blem. nur: ich habe ein pro­blem damit, wenn ich auf tumb­lr nach dem tag “yahoo” suche und jede men­ge pro­test fin­de, der in die rich­tung “yahoo ist scheis­se! und wenn der deal durch­geht, bin ich weg” geht. war­um? weil die wenigs­ten dies machen wer­den.

man hat sich über die jah­re an tumb­lr gewöhnt. man hat sein netz­werk dort, man wird ge-reb­loggt, gelik­ed etc. das eige­ne “inhal­te-erstel­lungs- und ver­tei­lungs­net­werk ist eta­bliert und man will es nicht mis­sen. des­halb begeh­ren die nut­zer auf. sie sind auf­ge­scheucht, wie auch ich in gewis­ser wei­se auf­ge­scheucht war, als es um die abschal­tung des goog­le reader vor wochen ging. aber: die meis­ten von ihnen wer­den blei­ben. auch beim goog­le reader wur­den peti­tio­nen ein­ge­reicht. was haben sie bewirkt. nichts. bei tumb­lr wird es nicht viel anders sein. ich könn­te wei­te­re bei­spie­le anfüh­ren.

(exkurs: ich mer­ke auch, wie ich immer ent­spann­ter wer­de. was die tech­ni­sche infra­struk­tur des soci­al webs angeht, so ist dar­in eben nichts von ewig­keit. das soll­ten wir uns immer wie­der ein­mal in erin­ne­rung rufen. anders gesagt: in jedem idea­lis­ten steckt auch ein klei­ner rea­list. soll­te zumin­dest 😉 )

es sei denn: yahoo tritt auf wie der “ele­fant im por­zel­lan­la­den”. dann könn­te eine mas­sen­flucht begin­nen. näm­lich, wenn yahoo tumb­lr ver­ein­nahmt, gar den dienst ein­stampft oder die mar­ke ver­schwin­den lässt. das bes­te wäre, tumb­lr ein größt­mög­li­ches maß an selb­stän­dig­keit zu las­sen. und klar, die ein­grif­fe durch wer­bung müß­ten in homö­pa­thi­schen dosen erfol­gen. umge­kehrt könn­ten tum­br user davon pro­fi­tie­ren, dass oft kri­ti­sier­te miß­stän­de durch yahoo besei­tigt wür­den. vor­stell­bar wäre die ein­füh­rung von sta­tis­ti­ken für nut­zer oder die suche über tags hin­aus. es wird die “gret­chen­fra­ge” sein, wie sich yahoo und tumb­lr im all­tag ver­ste­hen wer­den.

im mit­tel­punkt des thea­ter­stücks ges­tern abend stand übri­gens das fege­feu­er. irgend­wie pas­send.

bild­quel­le: dafür soll­test du älter als 18 Jah­re sein, sonst beißt dich ms. angel 😉 http://bit.ly/12EES3i )

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