Umair Haque, das Soci­al Web sind wir!

ges­tern las ich auf car­ta den inter­es­san­ten post-abdruck von umair haque (direk­tor und autor des havas media lab sowie grün­der der bubblegneeration.com) mit dem titel die soci­al-media-bla­se: nen­nen wir es bezie­hungs­in­fla­ti­on (im orig. the soci­al media bub­ble in der har­vard busi­ness review, 23.10.2010).

ich habe mich dazu ent­schlos­sen, die­sen nach­fol­gend kurz zu kom­men­tie­ren. ich wen­de mich per­sön­lich an umair. und um es vor­weg­zu­neh­men: ich tei­le sei­ne ansicht nicht. ich bin soci­al web enthu­si­ast!

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hi umair,

war­um, so fra­ge ich dich (und schlie­ße mich ja dem einen oder ande­ren kom­men­tar in dei­nem post an) soll­te es im soci­al web anders sein als in der real world?

men­schen die sich damit brüs­ten, wie vie­le freun­de sie haben, wer­den igend­wann fest­stel­len, wie sehr sie auf die­se zäh­len kön­nen, wenn sie mei­nen, sie bräuch­ten sie.

viel­leicht steht hin­ter dei­ner hypo­the­se ledig­lich die beob­ach­tung, dass eben die quan­ti­tät heut­zu­ta­ge oft­mals ent­schei­dend sei und nicht die qua­li­tät. mag sein, dass dem so ist. es gibt genü­gend befür­wor­ter, die das gegen­teil behaup­ten.

und ehr­lich gesagt fin­de ich die hypo­the­se gar nicht so pro­d­urk­tiv wie man­che mei­nen. ich ver­su­che des­halb, dei­ne punk­te dazu mit per­sön­li­chen erfah­run­gen zu wider­le­gen!

#ver­trau­en: wenn ich sehe, was ich tue, und wie das soci­al web es auf­nimmt und mir dar­über etwas zurück­gibt, fin­de ich das wun­der­bar, weil es mich dar­in bestärkt, mei­ne lebens­ein­stel­lung bei­zu­be­hal­ten. was wenn nicht die­ses ver­trau­en soll­te men­schen dazu bewe­gen, mir zu hel­fen, mich zu kri­ti­sie­ren, mir ein feed­back zu geben? ich spre­che mit mei­nen fol­lo­wern und freun­den und stel­le immer wie­der fest, dass ich für die einen ein­fach inter­es­sant, infor­ma­tiv oder gehalt­voll bin und für ande­re eben eine ver­trau­ens­per­son. es sind nicht alle men­schen gleich. wäre ja auch lang­wei­lig. und es sind eben nicht nur die inter­es­sen, die sich immer wie­der über­schnei­den und man des­halb auf­grund des mehr­wer­tes für­ein­an­der zuein­an­der fin­det!

#ent­mach­tung: genau­so argu­men­tier­te neu­lich auf der repu­bli­ca 2010 evge­ny moro­zov. sicher­lich nut­zen tota­li­tä­re sys­te­me die offen­heit und trans­pa­renz des soci­al web wie auch die­je­ni­gen, die sol­che sys­te­me anpran­gern und bekämp­fen. lang­fris­tig bin ich aber der auf­fas­sung, wer­den die sys­te­me vom trans­pa­ren­ten infor­ma­ti­ons­fluss in die knie gezwun­gen, da sie schlicht zu einem poten­zier­ten infor­ma­ti­ons­aus­tausch fern­ab des fest­netz­te­le­fons füh­ren wer­den. das heißt, auch in län­dern wie nord­ko­rea wird das soci­al web zumin­dest das sys­tem auf­bre­chen und nach und nach die gegen­öf­fent­lich­keit aus­bil­den, von der so oft die spra­che ist. ob dies dann die unse­rer mei­nung nach rich­ti­gen infor­ma­tio­nen sind oder ob die­se miß­braucht wer­den um das heil der west­li­chen demo­kra­tie zu prei­sen, weiß ich nicht. aber men­schen sind von grund auf mit­tei­lungs­be­dürf­tig und wol­len kom­mu­ni­zie­ren (in allen for­men) und so wer­den sie sich nach einer gewis­sen zeit auch an das neue her­an­wa­gen. das sys­tem wider­um hat davor angst, denn es droht der kon­troll­ver­lust. aber lang­fris­tig wird es sich ver­än­dern auf­grund der exter­nen ein­flüs­se und des enga­ge­ments der men­schen.

#hass: sicher­lich. auch ich fra­ge mich manch­mal, auf wel­ches niveau sich men­schen bege­ben kön­nen, ohne dass sie sich dafür schä­men. aber ist das so erstaun­lich? und vor allem ist es so kenn­zeich­nend für den aktu­el­len zustand des soci­al web? neh­men par­al­lel kon­ver­sa­tio­nen ab? schaue ich in mei­ne twit­ter-time­li­ne oder in den face­book-stream sehe ich dies nicht. im gegen­teil. und da wer­de ich nicht allei­ne sein mit mei­ner beob­ach­tung. ich mei­ne: wo man nega­ti­ves sehen will, sieht man es. und kom­men wir zu den zei­tun­gen: man darf sich schon anhand vie­ler recht­schreib­feh­ler heut­zu­ta­ge die fra­ge stel­len, ob der gehalt von arti­keln in renom­mier­ten tages­zei­tun­gen nicht erheb­lich lei­det. und inhalt­lich könn­te man auch fra­gen, ob die ver­la­ge und ihre jour­na­lis­ten mit ihrer von jahr­zehn­te­al­ten ansprü­chen gekenn­zeich­ne­ten hal­tung noch das anre­gen­de lese­ver­gnü­gen berei­ten, das frü­he­re genera­tio­nen genos­sen. doch all das recht­fer­tig niveau­lo­sig­kei­ten nicht und macht sie nicht bes­ser. doch du weißt, daß wir men­schen unter­schied­lich sind. das zeigt sich ein­mal mehr bei den use­ren und lesern von online-zei­tun­gen oder auch in die­sem klei­nen blog. das soll­te vor der über­le­gung ste­hen, nega­tiv-kom­men­ta­re als fak­tor für ein sich nega­tiv ent­wi­ckeln­des soci­al web zu gebrau­chen. wie heißt es so schön: sharing is caring

#aus­gren­zung: ein durch­aus wich­ti­ger punkt. aber schaue ich mir an, was eini­ge men­schen tun, um hier in deutsch­land das soci­al web, wie es sich der­zeit dar­stellt oder bes­ser im fluss ist, etwa der poli­tik seit eini­ger zeit nahe­zu­brin­gen, scheint hier doch gera­de eine inte­gra­ti­on im begriff zu sein, wenn­gleich sie sich nach wie vor am anfang befin­det. ich per­sön­lich ver­su­che tag­täg­lich, men­schen von der fas­zi­na­ti­on und viel­falt des soci­al web zu begeis­tern, zumin­dest sie ihnen nahe­zu­brin­gen. und ich ken­ne vie­le ande­re, denen es eben­so geht.

#wert­schät­zung: ich erfah­re sie, wenn ich bei­spiels­wei­se einen post schrei­be oder jeman­dem eine infor­ma­ti­on zukom­men las­se, die für ihn wert­voll ist. oder wenn ich hel­fen kann. gera­de letz­te­res im hin­blick auf die gesell­schaft­li­che rele­vanz von sach­ver­hal­ten u.a. mit hil­fe des soci­al webs und sei­ner soci­al media kanä­le zu kom­mu­ni­zie­ren und damit einer brei­te­ren öffent­lich­keit zur ver­fü­gung zu stel­len, ist doch wun­der­bar und steht mei­nes erach­tens im mit­tel­punkt von soci­al media. auch dafür hät­te ich bei­spie­le. denn das führt zur wert­schät­zung durch die von dir als “dün­ne bezie­hun­gen” kri­ti­sier­ten ent­wick­lung zu immer mehr freun­den in der heu­ti­gen zeit.

somit ist mei­ne fol­ge­rung: im gegen­satz zu dei­ner nega­ti­ven her­an­ge­hens­wei­se führt die “freund­schaft­li­che bezie­hungs­in­fla­ti­on via soci­al web” in der heu­ti­gen zeit eben zu einer ver­stärk­ten wahr­neh­mung an der gesell­schaft­li­chen ent­wick­lung des ein­zel­nen, da sie ihm mög­lich­kei­ten bie­tet, die so vor 10 jah­ren undenk­bar waren. das beinhal­tet auch und gera­de eine bewuß­te Auf­merk­sam­keit.

aber: ich gehe bewußt ins soci­al web und dann fin­de ich was ich suche. und für die suche ste­hen mir appli­ka­tio­nen zur ver­fü­gung, die zumeist sogar kos­ten­los sind…

mensch‘, was willst du mehr vom soci­al web? soci­al web, was willst du mehr vom mensch‘?

p.s. umair, ich freue mich auf dei­ne ant­wort, wenn du dafür zeit fin­dest. mich wür­de es sehr freu­en.

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